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Kapitel 4: Einführung - Charts   space 
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In diesem Kapitel will ich etwas auf Charts eingehen - werde jedoch nicht zu sehr ins Detail gehen. Mittlerweile gibt es unzählige Charttypen und während die einen auf Candlestick-Charts schwören so meinen die anderen jeden Ausbruch zuerst am Points&Figures-Chart zu erkennen, wieder andere begnügen sich mit simplen Liniencharts. Da es sich hier noch um ein Einführungs-Kapitel handelt werde ich vorerst nur die Charttypen vorstellen, die wir auch wirklich brauchen werden, in späteren Kapiteln werde ich dann je nach Bedarf weitere Charttypen vorstellen.

4.1 Linien-Charts
Linien-Charts sind die einfachsten Charts, bieten jedoch auch am wenigsten Information. Linien-Charts auf Tagesbasis (z.B. ein 3-Monats Chart) werden einfach folgendermassen erzeugt: Für jeden Tag wird der Schlusskurs durch einen Punkt markiert und am Ende werden alle Punkte durch Linien miteinander verbunden.
Nicht immer wird für Linien-Charts auf Tagesbasis der Schlusskurs zur Berechnung herangezogen, manchmal wird auch der sogenannte "Typical Price" genommen der sich berechnet als (Tageshoch+Tagestief+Schlusskurs)/3.
Daneben gibt es noch den eher selten vorkommenden "Weighted Close Price" bei dem zwar auch das Tageshoch und Tagestief miteinfliesst, der Schlusskurs jedoch doppelt so stark gewichtet wird. Berechnet wird der Wighted Close Price so: Weighted Close Price = (Tageshoch+Tagestief+Schlusskurs+Schlusskurs)/4.
Linien-Charts sind vorallem für einen Zeitraum von 6 Monaten oder länger geeignet, und werden deswegen großteils von Positionstradern und Anlegern verwendet. Zwar kann man Linien-Charts auch für kürzere Zeiträume verwenden und auch für Intraday-Charts sind sie einsetzbar, jedoch gibt es für diese Zeiträume Charts die viel mehr Information enthalten und besser geeignet sind. Der Grund warum man z.B. bei 1-Jahres Charts oft Linien-Charts einsetzt ist einfach der, dass z.B. Candlestick-Charts bei diesen Zeiträumen oft eher unübersichtlich wirken.


Ein 1-Jahres Chart als Linienchart.

4.2 Balken-Charts
Balken-Charts (auch OHLC-Charts genannt, für "Open High Low Close-Charts") enthalten mehr Informationen als die simplen Liniencharts. So kann man an einem Balken-Chart nicht nur den Schlusskurs eines Tages ablesen, sondern auch den Eröffnungskurs, das Tageshoch und das Tagestief einer Aktie. Ein Balken-Chart auf Tagesbasis ist so aufgabaut, dass der vertikale Strich für jeden Tag die Schwankungsbreite zwischen Tageshoch und Tagestief angibt. Der horizontale Strich links vom vertikalen Strich gibt den Eröffnungskurs an, der horizontale Strich rechts vom vertikalen Strich den Schlusskurs. Die folgende Grafik dürfte dies verdeutlichen:

Zwei Tage als Balken in großer Darstellung.


So sieht dann ein 1-Monats Chart als Balken-Chart in der Praxis aus.

4.3 Candlestick-Charts
Der typische Candlestick-Chart kommt aus Japan, und ist im Prinzip nur eine andere Version des Balken-Charts, d.h. er enthält die gleichen Informationen wie ein Balken-Chart, sieht meiner Meinung nach jedoch übersichtlicher aus. Vom Aufbau her besteht der Candlestick-Chart auf Tagesbasis aus einzelnen Kerzen (für jeden Tag eine Kerze), die zumeist oben und unten einen Docht haben. Von der Spitze des oberen Dochtes zu der Spitze des unteren Dochtes ist die Schwankungsbreite an diesem Tag gegeben und entspricht der vertikalen Linie im Balken-Chart. Die Kerze zwischen den beiden Dochten ist entweder schwarz oder weiss gefärbt (oft auch rot oder grün).
Falls die Kerze weiss gefärbt ist bedeutet dies, dass die Aktie an diesem Tag gestiegen ist und das untere Ende der Kerze gibt den Eröffnungskurs an, das obere Ende der Kerze den Schlusskurs.
Falls die Kerze schwarz gefärbt ist bedeutet dies, dass die Aktie an diesem Tag gefallen ist, und das obere Ende der Kerze gibt den Eröffnungskurs an, das untere Ende der Kerze den Schlusskurs.
Ich habe hierzu wieder eine kleine Grafik erstellt um dies zu verdeutlichen:

Zwei Kerzen im Candlestick chart, der vertikale Strich in der Mitte ist nur ein Trennstrich und hat keine Bedeutung (kommt in echten Charts natürlich auch nicht vor).


Und so sieht ein 1-Monats Chart als Candlestick-Chart in der Praxis aus. (Dieser Chart ist übrigens derselbe wie der Balken-Chart weiter oben, vergleichen sie die Unterschiede selbst)

4.4 Welcher Charttyp ist der beste ?
Wie sie sich sicher schon gedacht haben, kann man diese Frage nicht eindeutig beantworten, da es darauf ankommt, was man dem Chart entnehmen will. Für Anleger ist sicher der Linien-Chart am übersichtlichsten, für Swing-und Daytrader wird der Candlestick-Chart wohl am meisten benutzt. Ob man nun Balken-Charts oder Candlestick-Charts verwendet ist zu einem gewissen Teil wohl auch Geschmackssache, ich selbst bevorzuge die Candlestick-Charts, da man auf ihnen am schnellsten die Richtung erkennt (gegeben durch die Farbe einer Kerze).

4.5 Was ist mit Intraday-Charts ?
In den obigen Charts habe ich nur Charts auf Tagesbasis gewählt, das heißt das jede Kerze oder jeder Balken einem Tag entspricht. Für Intraday-Charts wählt man ein anderes Zeitintervall, z.B. Charts auf 5-Minuten Basis, so dass dann in diesem Fall eine Kerze oder ein Balken einem Zeitraum von 5-Minuten entspricht.

4.6 Wozu braucht man Charts ?
Charts werden hauptsächlich dazu benutzt, um aus alten Daten Prognosen für die Zukunft von Aktienkursen zu erstellen. Dies ist der Aufgabenbereich der sogenannten Charttechnik, auf die ich in weiteren Kapiteln genauer eingehen werde. Charts dienen aber auch dazu um z.B. herauszufinden wie volatil (Schwankungsbreite) eine Aktie ist, und in was für einem Trend sich eine Aktie befindet.
Charts sind meiner Meinung nach das mächtigste(!) Mittel um Prognosen für die Zukunft zu treffen, eine Aktie zu kaufen ohne auch nur einen Blick auf den Chart geworfen zu haben halte ich für sehr riskant. Denn was nützen einem die besten Fundamentaldaten, wenn man auf dem Chart sieht das die Aktie bereits seit einem Jahr fällt und keine Anzeichen einer Trendwende zeigt. Eine derartige Aktie kann man auch noch dann kaufen wenn der Chart eine eindeutige Trendwende zeigt. Wie man dies am Chart erkennt werde ich auch noch in späteren Kapiteln erklären.
Zwar gibt es viele Menschen, die nicht an Charttechnik glauben, unbestritten ist jedoch, dass verschiedene Charts zu verschiedenen Reaktionen der Aktie führen. Um ein extremes Beispiel zu wählen: Stellen Sie sich vor, Sie betrachten den Chart einer Aktie, die in den letzten 5 Tagen um über 300% gestiegen ist und dann den Chart einer Aktie die in den letzten 5 Tagen um 1% gestiegen ist. Wo würden Sie mit einer größeren Schwankung in den nächsten 5 Tagen rechnen ? Ich denke die Frage beantwortet sich von selbst. Was ich Ihnen damit sagen will ist, dass Sie in jedem Fall vor dem Kauf einer Aktie auf den Chart achten sollten, alleine schon um die kommende Schwankungsbreite einschätzen zu können.

(C) 2001 by Jirko Cernik and Intercyloon (www.tradingspace.de)
Mail: cernik@tradingspace.de

Risikohinweis: Die folgenden Texte sind nur zur Information gedacht. Keinesfalls ist der Autor oder tradingspace.de für etwaige Verluste die aus den Strategien die hier vorgestellt werden resultieren können verantwortlich.

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