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Kapitel 3: Einführung - Broker   space 
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Nachdem man weiss an welchem Markt man traden möchte, stellt sich normalerweise die Frage welcher Broker denn nun der geeignetste Broker ist. Will man z.B. direkt in den USA traden, so bieten zwar viele deutsche Broker an Aktien in den USA kaufen zu können (Consors, Comdirect), jedoch lohnt sich dies kaum, da die Vorteile eines echten US-OnlineBrokers einfach überwiegen. Auch wird man sich als Scalper für einen anderen Broker entscheiden wie als Positionstrader.
In diesem Kapitel will ich ein wenig Licht auf die Unterschiede der verschiedenen Broker werfen, und Ihnen damit evt. die Entscheidung welchen Broker Sie wählen erleichtern. Keinesfalls deckt dieses Kapitel alle Broker ab, und es mag sicher bessere Broker als die besprochenen geben, weswegen man sich unbedingt ein eigenes Bild von den verschiedenen Brokern machen sollte. Die Berichte hier spiegeln mehr oder weniger auch meine persönlichen Erfahrungen wieder, evt. hat sich mittlerweile bei manchen Brokern einiges geändert.

3.1 Broker in Deutschland
Einen Broker in Deutschland zu wählen kann mehrere Gründe haben: Wenn man mit deutschen Aktien handeln will kommt man kaum an einem deutschen Broker vorbei. Aber auch wenn man große US Aktien als Anleger handeln will so bekommt man doch die meisten US-Aktien auch an deutschen Börsen, wenn auch die Liquidität oft zu wünschen übrig lässt, und die Spreads (Spread=Abstand zwischen BID und ASK) sehr hoch sind. Doch auch für Positionstrader gibt es Gründe US-Aktien an deutschen Börsen zu handeln, denn dadurch dass die deutschen Börsen bereits vor den amerikanischen Börsen eröffnen kann man teilweise schneller auf Nachrichten reagieren, oder versuchen Aktien die grundlos vor US-Börseneröffnung hier billig erscheinen zu kaufen (je nachdem wie die US-Futures stehen wird man "billig" dementsprechend einstufen).

3.1.1 Die Hausbank als Broker
Die Hausbank als Broker ist eigentlich nur für Anleger geeignet, da die Gebühren und vorallem die Geschwindigkeit der Ausführung viel zu schlecht für aktive Trader sind. Zwar bieten die meisten Hausbanken mittlerweile auch eine eigene Oberfläche im Internet an, mit der man sogar Aktien kaufen und verkaufen kann, zum aktiven traden sind diese meiner Meinung nach jedoch völlig ungeeignet. Oft kommen Auftragsbestätigungen erst Minuten bis Stunden nach der eigentlichen Ausführung.

3.1.2 reine Online-Broker (wie z.B. Consors, Comdirect, DAB)
Reine Online-Broker sind für Positionstrader die mit deutschen Werten handeln wollen durchaus gut geeignet, die Gebühren halten sich meist im Rahmen und "fressen" einen nicht komplett auf. Bereits für schnelles Swingtrading sind die Plattformen der Online-Broker in Deutschland jedoch eher schwer zu benutzen, da die Oberflächen viele Eingaben benötigen (Börsenplatz etc.) und danach die Eingabe einer einmaligen TAN vonnöten ist. (Übrigens bieten die meisten Online-Broker in Deutschland einen Menüpunkt an, mit dem man sofort eine neue TAN-Liste bestellen kann, was man immer sofort nach Ankunft einer TAN-Liste nutzen sollte, sonst kann es durchaus vorkommen, dass man ein paar Tage ohne TAN's auskommen und alle Transaktionen telefonisch erledigen muss.)
Zwar funktionieren die deutschen Online-Broker beim Handel mit Aktien die in Deutschland gehandelt werden durchaus zufriedenstellend, ganz anders sieht es jedoch aus wenn man seine Aktien nicht in Deutschland sondern an einer fremden Börse kaufen will. Obwohl die meisten deutschen Online-Broker in Kooperation mit einem US-Broker stehen sind die Transaktionskosten für eine Auslandsorder viel zu hoch, und die Ausführungszeiten zu schlecht. Die Systeme arbeiten bei Auslandsordern auch relativ unzuverlässig. Also höchstens zum langfristigen Investieren geeignet.

3.1.3 professionelle Handelsplattformen und Daytrading-Center
Die Daytrading-Center kann man nicht direkt mit den deutschen Online-Brokern vergleichen, da hier professionelles Daytrading in den USA oder mit Futures betrieben wird. Man kann hiermit direkt in den USA handeln, als hätte man einen US-Broker vor sich. Für professionelle Handelsplattformen die für Daytrader gedacht sind gilt dasselbe, was jedoch nicht heisst, dass es hier keine schwarzen Schafe gäbe.

3.2 Online-Broker in den USA
Wer nur Online-Broker aus Deutschland gewohnt ist, wird teilweise überrascht sein, wieviel Service und Komfort manche US-Online-Broker bieten. Dies geht von Zusagen wie Erstattung der Transaktionskosten falls die Transaktion durchführbar war, und länger als 60 Sekunden dauerte (Datek) über Preise von weniger als 2 $ pro Trade (InteractiveBrokers).
Wer professionelles Swingtrading oder auch Positionstrading betreiben möchte sollte sich ernsthaft überlegen ein Konto bei einem US-Broker zu eröffnen, da schon alleine die Auswahl an liquiden Aktien deutlich größer ist als hier in Deutschland. Man sollte jedoch aufpassen wo man sein Konto eröffnet, da sich auch die Online-Broker in den USA deutlich voneinander unterscheiden.
Einerseits gibt es die Web-Broker, darunter verstehe ich die Online-Broker bei denen man seine Order über einen Webbrowser aufgibt. Auf der anderen Seite gibt es komplette sogenannte Direct-Access Broker bei denen man seine Order über eine spezielle Software mit nur wenigen Mausklicks aufgibt (in der Regel versorgt einen diese Software auch mit Charts etc.). Direct-Access bedeutet das man durch diese Broker direkten Zugriff auf die Börse hat, den man nicht bei jedem Web-Broker hat. Um genau zu verstehen was hier passiert betrachten wir einmal genauer wie Web-Broker in den USA eine Order behandeln.

3.2.1 Web-Broker und "Payment for Orderflow"
Nachdem die Order über die Weboberfläche eingegeben worden ist muss der Web-Broker die Order nun an die Börse leiten. Wie wir bereits im letzten Kapitel erfahren haben setzt sich z.B. die NASDAQ aus verschiedenen Systemen und MarketMakern zusammen. Nun spielt der Broker die Order aber nicht unbedingt dem System oder dem MarketMaker zu bei dem er den billigsten Kurs erhält, sondern dem MarketMaker der ihm am meisten Geld für die Order zahlt. Konkret: Manche MarketMaker zahlen an die Broker einen gewissen Betrag pro Aktie, falls diese bei Ihnen gekauft wird. Dies wird "Payment for Orderflow" genannt.
Es handelt sich hierbei bei einer einzelnen Order nicht um riesige Summen, aber alleine dadurch das die Order nicht an das System mit dem besten Kurs weitergeleitet wird verliert man doppelt. Ein weiterer Nachteil für den Kunden ist das die Geschwindigkeit bis ein MarketMaker die Order dann auch effektiv ausführt oft deutlich länger als bei einem ECN ist (bis zu 17 Sekunden).
Ein typischer Web-Broker in den USA der auf diese Weise auch Geld verdient ist z.B. E-Trade, weswegen ich E-Trade nur für Positionstrader empfehlen kann. Meiner Meinung nach deutlich besser ist hier Datek, denn Datek ist zwar ein Web-Broker verdient jedoch nicht an "Payment for Orderflow" und bietet auch Direct Access. D.h. wenn man seine Datek-Oberfläche richtig konfiguriert hat, so kann man selbst entscheiden auf welches ECN oder zu welchem MarketMaker eine Order geleitet wird. Ich halte Datek besonders für Anfänger für einen guten Broker da er insgesamt auch relativ günstig ist. Swingtrading sowie Positionstrading ist mit Datek problemlos möglich, für Scalper ist Datek jedoch eher ungeeignet. Es gibt zwar Tools wie daSlinger oder QuoteTracker die die Ordereingabe bei Datek beschleunigen, jedoch ist man mit professionellen Handelssystemen wie Realtick III doch deutlich schneller am Ziel, und gerade für Scalper zählt jede Sekunde. Vorteilhaft an Datek ist jedoch, dass man kostenlos beliebig viele Realtime Kurse zur Verfügung gestellt bekommt, und auch einen Streamer, der Kurse automatisch aktualisiert.
Klarer Vorteil von Web-Brokern ist natürlich, daß man diese von jedem PC aus nutzen und von jedem Internet-Cafe aus seine Order aufgeben kann. Dies ist bei Brokern mit eigener Oberfläche nicht ohne weiteres möglich.

3.2.2 Direct Access Broker
Unter einem Direct Access Broker verstehe ich einen Broker der Direct Access anbietet und eine eigene Oberfläche bereitstellt mit der die Order eingegeben werden kann. Hierfür ist dann immer spezielle Software vonnöten. In dieser Oberfläche erhält man oft viel mehr als nur eine Ordermaske, man kann hier die Realtime-Kurse ablesen, News lesen, Charts mit verschiedenen Indikatoren Realtime zeichnen lassen und mehr.
Dass diese Broker deutlich teurer sind als die Web-Broker versteht sich von selbst. Oft muss man extra für den entsprechenden Datenfeed zahlen, was normalerweise etwa 70-150 $ kostet. Ein typischer Direct Access Broker ist z.b. MB-Trading oder Cybertrader von Charles Schwab. Auch ansonsten bieten diese Broker deutlich mehr Funktionen wie z.b. Stops (falls eine Aktie ihren Stop-Kurs erreicht wird sie automatisch verkauft) die automatisch nachgezogen werden (sog. trailing stops) etc.
Für professionelle Scalper und Daytrader sind diese Broker das beste aber auch das teuerste, weswegen man nicht unbedingt sofort mit MB-Trading starten sollte wenn man noch nicht genau weiss ob man überhaupt Daytrader werden will. Desweiteren lohnen sich Direct Access Broker eigentlich nur, wenn man mit Summen über 25 000 $ traden will (was nach der neuen SEC Regelung für Daytrader notwendig ist, die auch shorten wollen).

3.2.3 Interactive Brokers
Interactive Brokers erwähne ich deswegen extra, da dies ein etwas ungewöhnlicher Broker in den USA ist, der sich vorallem für Anfänger extrem lohnen kann. Der Grund: Die Gebühren. Bei Interactive Brokers zahlt man für eine Order teilweise nur 1 $, so dass man auch mit nur wenigen Aktien seine Strategie üben kann, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein viel Geld zu verlieren. Interactive Brokers benutzt als Oberfläche die TWS ("TraderWorkStation") welche nicht web-basiert läuft sondern eigens installiert werden muss. Interactive Brokers bietet ansonsten aber keinen Datenfeed an, diesen kann man sich jedoch problemlos über einen Drittanbieter wie z.B. e-signal.com holen.

3.2.4 Wie eröffne ich ein US-Konto ?
Englisch sollte man schon verstehen können, da es sonst durchaus zu Verständigungsproblemen kommen kann. Einige US-Broker bieten jedoch teilweise auch deutschen Support an (so z.B. MB-Trading).
Meistens kann man sich problemlos online anmelden, wobei man einen Individual Account erstellen sollte und irgendwann angeben muss, das es sich um ein "Foreign Account" handelt. Normalerweise 2 Wochen später erhält man dann die Antragsformulare per Post, wo auch der sog. W8-BEN mitgeliefert wird, ein einzelnes Blatt was unbedingt ausgefüllt werden muss, da man ansonsten auch in den USA steuerpflichtig ist. Da die USA mit Deutschland ein spezielles Abkommen haben muss man seine Spekulationsgewinne wie gewonnt weiterhin in Deutschland und nicht in den USA versteuern.
Nachdem man die Antragsformulare abgeschickt hat und das Konto eröffnet worden ist kann man sein Geld per Scheck oder per Auslandsüberweisung an den Online-Broker überweisen. Die Daten sollte man von dem Online-Broker erhalten, hierbei ist vorallem die ABA Nummer wichtig, die faktisch die amerikanischer Version der deutschen Bankleitzahl ist. Nach etwa 1 Woche dürfte dann das Geld beim Online-Broker angekommen sein, und man kann mit dem Trading beginnen, aber bitte nicht bevor man min. 1-2 Monate auf dem Papier getradet hat ;)).

(C) 2001 by Jirko Cernik and Intercyloon (www.tradingspace.de)
Mail: cernik@tradingspace.de

Risikohinweis: Die folgenden Texte sind nur zur Information gedacht. Keinesfalls ist der Autor oder tradingspace.de für etwaige Verluste die aus den Strategien die hier vorgestellt werden resultieren können verantwortlich.

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