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Kapitel 2: Einführung - Die Märkte   space 
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In diesem Kapitel will ich auf die verschiedenen Märkte eingehen, und die Unterschiede zwischen den deutschen Börsen und den US-Börsen aufzeigen. Für Trader bieten momentan die US-Börsen einfach viel mehr Möglichkeiten, auch wenn sich durch das deutsche XETRA bereits erste Möglichkeiten für echtes Daytrading in Deutschland eröffnen.

2.1 Die deutschen Parkettbörsen
Parkettbörsen sind Börsen bei denen der Kurs zwar mit elektronischer Unterstützung zustande kommt, der entsprechende Makler aber noch sein "OK" dazu geben muss. Parkettbörsen befinden sich an physikalischen Orten an denen Händler mit spezieller Börsenlizenz im Auftrag für Banken und Investoren handeln. In Deutschland gibt es insgesamt 8 Parkettbörsen, wobei die Frankfurter Börse davon wohl die bekannteste ist.
Dadurch das Menschen die Order an den Parkettbörsen ausführen kommt es fast immer zu Verzögerungen zwischen Orderaufgabe und Orderausführung. Dies kann sich für Anleger durchaus als Vorteil erweisen, da oft gewartet wird bis mehrere Order zu einer Aktie eingegangen sind und erst dann der neue Kurs ermittelt wird. Dies führt dann häufig dazu, daß man als Kurs einen guten Mittelwert zwischen Bid und Ask (Angebotskurs="Geldkurs" und Nachfragekurs="Briefkurs") bei der Orderausführung bekommt.
Die Eingabe von strengen Limits bei der eigenen Order ist dadurch besonders an den großen Parkettbörsen bei weitem nicht so wichtig wie an den rein elektronischen Börsen. Trotzdem sollte man besonders an den kleineren deutschen Börsen nur mit Limit kaufen und verkaufen, da hier oft die Liquidität (=der Geldfluss, oder auch das Volumen) von manchen Aktien nur sehr gering ist und unlimitiertes kaufen und verkaufen schnell zu bösen Überraschungen führen kann. Ich werde in den weiter fortgeschritteneren Kapiteln näher auf die Strategien an deutschen Parkettbörsen eingehen.
Man mag sich fragen wozu es denn 8 deutsche Parkettbörsen gibt, reicht denn nicht eine ? Nun, eigentlich ja, jedoch verhalten sich die verschiedenen Parkettbörsen in Deutschland durchaus anders, je nachdem wo man eine Order aufgibt. Man kann eine Aktie übrigens an jeder Parkettbörse und auch im Xetra wieder verkaufen, man muss diese nicht dort verkaufen wo man die Aktie auch gekauft hat, Arbitrage Geschäfte (hierbei wird der Kursunterschied zwischen den verschiedenen Börsenplätzen ausgenutzt) sind jedoch eher schwer durchzuführen.
Um besser zu verstehen worin sich die verschiedenen Parkettbörsen in Deutschland unterscheiden werde ich hier alle auflisten.

2.1.1 Parkettbörse Frankfurt
Die größte deutsche Parkettbörse zeichnet sich zwar durch hohe Liquidität aus, jedoch auch durch besonders langsame Orderausführungen. Will man schnell eine Position eröffnen ist Frankfurt nicht zu empfehlen, ansonsten für Anleger bei denen es nicht auf die Ausführungsgeschwindigkeit ankommt aufgrund der hohen Liquidität durchaus zu empfehlen.

2.1.2 Parkettbörse Berlin
Berlin ist besonders für den Handel von Auslandswerten geeignet. Viele Auslandswerte sind nur in Berlin gelistet und müssen dort gehandelt werden. Die Ausführungszeiten der Parkettbörse Berlin sind durchaus passabel bis schnell.

2.1.3 Parkettbörse München
Besondern die schnellen Ausführungszeiten zeichnen München aus, so zumindest nach meiner Erfahrung. Die Liquidität hier ist oft noch passabel.

2.1.4 Parkettbörse Stuttgart
Stuttgart zeichnet sich dadurch aus, daß dies wohl die geeignetste Börse für Optionsscheine ist. Ansonsten ist bei Aktien die Liquidität eher gerning, und die Ausführungszeit kann oft durchaus langsamer sein als bei anderen Parkettbörsen.

2.1.5 Parkettbörse Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Bremen
An diesen Parkettbörsen ist die Liquidität oft eher gering, weswegen man auf diese Börsen vorallem dann ausweicht, falls man hier die Möglichkeit sieht einen deutlich besseren Kurs zu bekommen.

2.1.6 Welche der Parkettbörsen ist für mich am besten ?
Dies hängt ganz und gar von der Order ab, und vorallem wie das Angebot/Nachfrage an der entsprechenden Börse zu der jeweiligen Aktie aussieht. Ist einem die Geschwindigkeit egal sollte man sich bei einem Kauf für die Börse entscheiden, die das günstigste Angebot ("Ask") hat, bei einem Verkauf das beste Gebot ("Bid"). Man muss jedoch hierbei unbedingt auch einen Blick auf die Uhrzeit der letzten Orderausführung werfen, da viele BID/ASK Kurse an den Parkettbörsen oft veraltet sind, und man keine Chance hat die entsprechenden Kurse zu erhalten.
Hin und wieder kommt es auch vor, daß die Makler zwar neue Kurse stellen, aber die BID/ASK Kurse nicht aktualisieren. Vorsicht ist also geboten, und besonders bei geringer Liquidität ist es unabdingbar ein entsprechendes Limit bei der eigenen Order einzustellen. Will man die Aktie unbedingt sollte man sein Limit knapp über Ask bzw. knapp unter Bid stellen. Ansonsten ist es durchaus zu empfehlen sein Limit niedriger zu setzen, und zu warten ob man die entsprechende Aktie bekommt, denn häufig kann man auf diese Weise deutlich billiger an seine Aktien kommen.

2.2 Die rein elektronische, deutsche Börse XETRA
XETRA ist vollelektronisch, d.h. der Kurs wird einfach dann festgesetzt falls eine Order eingegeben wird, deren Limit entweder über dem Ask oder beim Verkauf unter dem Bid liegt. Das jeweilige Ask oder Bid ist dann der neue Kurs. Der Vorteil des Xetra ist die Ausführungsgeschwindigkeit, denn ist die eigene Order ausführbar vergeht oft weniger als eine Sekunde bis die Order ausgeführt und bestätigt ist. Der Nachteil ist, das der Kurs den man dann erhält direkt auf dem Ask oder Bid liegt, und nicht dazwischen so wie dies bei den Parkettbörsen häufig der Fall ist.
Sehr wichtig ist es im Xetra seine Order zu limitieren, da man sonst schnell Kurse erhalten kann, die auch weitab von denen der Parkettbörsen liegen können. Besonders bei geringer Liquidität kann das Xetra für Anfänger hierbei eine gefährliche Falle darstellen. Übrigens liefert das XETRA nicht nur aktuelle Bid/Ask Kurse, sondern auch die Stückzahl der Aktien die auf Bid gekauft werden wollen oder auf Ask verkauft werden sollen. Ein Einblick in das Orderbuch des XETRA soll bald ebenfalls kostenpflichtig zur Verfügung gestellt werden (hierbei sieht man dann auch die Order die hinter dem besten BID/ASK liegen).
Die Liquidität bei deutschen Werten ist im XETRA jedoch häufig besser als an den Parkettbörsen, lediglich bei Auslandswerten ist die Liquidität im XETRA oft sehr schlecht. In diesem Fall sollte das XETRA-System nicht verwendet werden.

2.3 Die US-Parkettbörsen NYSE und AMEX
Ein ganz anderes Gefühl ist es direkt an den US-Parkettbörsen zu handeln. Der erste Unterschied zu den deutschen Börsen ist, das es für jede Aktie nur eine Börse gibt und nicht 8 verschiedene. Die Aktie ist dabei jeweils entweder an der NYSE ("New York Stock Exchange") oder an der AMEX ("American Stock Exchange") notiert. Für welche der beiden Börsen man sich entscheidet hängt also nur von der Aktie ab die man kaufen oder verkaufen will.
Was jedoch einer der Unterschiede ist, abgesehen von der viel größeren Vielfalt an Aktien, ist die unglaubliche Geschwindigkeit mit der die Order ausgeführt wird. Meistens bekommt man seine Aktien in unter 1 Minute, was sogar dazu führt das manche US-Broker (in diesem Falle Datek) nur Ordergebühren berechnen wenn die Order in unter einer Minute ausgeführt wird.
Die Liquidität bei größeren Aktien ist nicht mit der an deutschen Börsen zu vergleichen, was natürlich einerseits daran liegt, dass sich das Volumen nicht auf 8 Börsen verteilt, jedoch hauptsächlich daran das es in den USA einen viel größeren Aktienmarkt als in Europa gibt. Besonders die hohe Liquidität und die schnelle Ausführungsgeschwindigkeit machen die NYSE zu einer Börse die auch für Daytrader mehr jedoch für Positionstrader geeignet ist.

2.4 Die vollelektronische US-Börse NASDAQ
Die NASDAQ ("National Association of Securities Dealers Automated Quotation") ist eine elektronische Börse wie das deutsche XETRA nur deutlich komplexer. Es handelt sich bei der NASDAQ nämlich um eine OTC-Börse (OTC="Over the Counter", nicht zu verwechseln mit der NASDAQ OTCBB), was konkret bedeutet das die NASDAQ nicht nur ein System wie das deutsche XETRA ist, sondern sich aus vielen Systemen zusammensetzt. Dies sind auf der einen Seite die MarketMaker (dazu gibts später mehr :)) und auf der anderen Seite die ECN's, was für "Electronic Communication Network" steht. Die bekanntesten ECN's sind wohl das Island ECN und das Instinet ECN. Man kann sich jedes dieser ECN's wie eine kleine Handelsplattform (vergleichbar mit dem XETRA) vorstellen. Kommt ein Handel auf einem ECN zustande so meldet das ECN den Handel an die Nasdaq, welche dann dadurch den Kurs aktualisiert. Besonders bei den MarketMakern kommt es häufiger vor, dass Trades verspätet an die Nasdaq gemeldet werden.
Man darf sich die einzelnen ECN's jedoch nicht als unabhängige Inseln vorstellen (wie vielleicht der Name des Island ECN's suggerieren mag), da zwischen den ECN's und auch zwischen ECN's und den MarketMakern Handel möglich ist. Ich will hier nun nicht näher auf die technischen Details der NASDAQ eingehen, sondern werde später in einem extra Kapitel Dinge wie das Orderrouting an der NASDAQ über Selectnet, Soes und dem neu eingeführten SuperSoes erklären. Für Swingtrader und Positionstrader sind die technischen Details der NASDAQ weniger wichtig, da mittlerweile fast jeder US-Online Broker eine Art "Best Execution"-System bereitstellt, was automatisch die eigene Order auf das ECN das zu der Zeit den besten Kurs bereitstellt weiterleitet. Man muss sich in diesem Falle also nicht darum kümmern auf welches ECN die Order nun geleitet wurde, oder welchem MarketMaker die Order zugespielt wurde. (Wer bereits von Dingen wie "Payment for Orderflow" gehört hat weiß das diese "Best-Execution"-Systeme keinesfalls auch wirklich immer das beste für die eigene Order sind. Was es hiermit auf sich hat werde ich in dem Kapitel über US-Broker erklären).
Klarer Vorteil der NASDAQ ist die rasante Geschwindigkeit, denn falls die Order auf einem ECN wie dem Island ECN ausgeführt wird, ist man meist bereits nach weniger als 1 Sekunde im Besitz seiner Aktien. Die Nachteile sind in etwa die des XETRA, nämlich das man bei entsprechendem Limit zumeist den Ask oder Bid Kurs erhält. Das Problem fehlender Liquidität gibt es an der NASDAQ jedoch praktisch nicht.
Die Nasdaq ist vorallem für Daytrader sehr gut geeignet, da sie Heimatbörse von viel gehandelten Werten wie Microsoft, Oracle etc ist. Dadurch das sehr viele Technologie-und Biotechunternehmen an der NASDAQ gelistete sind, wird die NASDAQ auch häufig als Technologie-Börse bezeichnet, was jedoch nicht heißt das an der NASDAQ nur Technologieunternehmen gelistet sind.

2.5 Wo ist man als Trader am besten aufgehoben ?
Zur Zeit kann ich diese Frage ziemlich eindeutig beantworten: An den US-Börsen. Nicht nur die Vielfalt der Werte, die höhere Liquidität, die schnellere Orderausführung sondern auch die Transparenz (Level II oder SuperMontage) an den US-Börsen ist den deutschen Börsen weit voraus. Wer ernsthaft und viel mit US-Werten traden will sollte auch ein Konto bei einem Online-Broker in den USA aufmachen, was als Deutscher eigentlich relativ leicht möglich ist und einem beim traden doch sehr viele Vorteile bietet. Richtiges Daytrading/Swingtrading ist meiner Meinung nach an deutschen Börsen momentan noch nicht möglich, da bei wenigen Kursfeststellungen am Tag auch charttechnische intraday Signale gnadenlos versagen, und bei langsamen Orderausführungen wird das ganze dann zum reinen Glücksspiel. Und sollte einmal die Liquidität im XETRA gegeben sein, so handelt es sich oft um unvolatile DAX Werte bei denen die Aussichten auf schnelle Gewinne eher gering sind. Einzig Neuemissionen können manchmal einen Handel mit genügend Liquidität und Volatilität für Daytrader bieten. Als Positionstrader kann man durchaus an deutschen Börsen handeln, auch wenn für Positionstrader der US-Markt deutlich besser geeignet ist.

(C) 2001 by Jirko Cernik and Intercyloon (www.tradingspace.de)
Mail: cernik@tradingspace.de

Risikohinweis: Die folgenden Texte sind nur zur Information gedacht. Keinesfalls ist der Autor oder tradingspace.de für etwaige Verluste die aus den Strategien die hier vorgestellt werden resultieren können verantwortlich.

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